Ausrüstung

Bekleidung

Zum Wandern braucht es keine teure High-Tech-Ausrüstung. Und trotzdem gibt es einige Dinge, die das Wandern entschieden komfortabler machen. Unterwegs zu sein – auch wenn die Sonne mal nicht scheint – erfordert eine robuste Ausrüstung. Aktuelle Wander-Kleidung ist deshalb längst nicht mehr aus der guten, aber leider allzu saugfähigen Baumwolle, sondern aus Fleece und Gore-Tex. Nicht mehr der schweisstreibende Kunststoff aus den Siebzigern, sondern ausgeklügeltes, atmungsaktives Gewebe unterstützt die Wanderslust.

Regenjacken

Ultraleichte Regenjacken

Hundertprozentig wasserdicht, leicht und sehr günstig sind Regenjacken aus Nylon mit verschweissten Nähten. Sie haben aber den Nachteil, dass sie völlig luftundurchlässig sind. Man kommt also rasch ins Schwitzen. Ausserdem gehen sie schnell kaputt. Deshalb tüfteln die Hersteller immer wieder am Material herum. Robuste und dichte Jacken herzustellen, ist heute kein Problem. Aber wenn das Stück gleichzeitig auch atmungsaktiv, leicht und bequem sein soll, wird es schwieriger. Die neusten Regenjacken sind ultraleicht – unter 500 Gramm – und dank neuer Innen-Beschichtung angenehmer zu tragen, weil sie nicht mehr so kleben. Für ausgesprochene Schönwetter-Wanderer, die ihren Regenschutz bloss alle zwei Jahre einmal auspacken, lohnt sich die Investition von ca. CHF 400.- nicht. Wer aber öfters bei Wind und Nässe wandert, wird einen so leichten Wetterschutz durchaus zu schätzen wissen.

Immer häufiger tauchen an den Jacken die neuen wasserdichten Reissverschlüsse auf. Sie machen die oft unpraktischen und manchmal doch nicht dichten Reissverschluss-Abdeckungen überflüssig. Allerdings lassen sie sich auch nicht ganz so leicht auf- und zuzippen wie die herkömmlichen Verschlüsse, sondern bieten etwas mehr Widerstand.

Softshell

Der Faserpelz und das altbewährte Schichtenprinzip erhalten Konkurrenz: „Softshell“ heisst die neue Erfindung, die gemäss den Herstellern „90 Prozent aller Wetter-Situationen mit einem Kleidungsstück abdecken“ soll. „Softshell“ ist eine isolierende Lage mit einer schützenden Aussenschicht. Die Jacke ist sehr atmungsaktiv, wasserabweisend, winddicht und hält auch bei Nieselregen angenehmen warm und trocken – ideal also fürs Wandern in der Höhe. Die „Softshells“ könnten wohl bald den Faserpelz als Nummer Eins der Isolation verdrängen. Ein Fleece ist weder wasser- noch winddicht. Sein einziger Vorteil ist, dass er leicht und klein verpackbar ist. Die neuen „Softshells“ sind ebenfalls praktisch zu verstauen, bieten mit ihrer Aussenschicht aber eindeutig mehr Schutz und sind deshalb vielseitiger verwendbar. 

Unterwäsche

Die falsche Unterwäsche kann die Wirkung der teuren atmungsaktiven Oberbekleidung völlig zunichtemachen. Doch die an sich empfehlenswerte Kunstfaser-Unterwäsche beginnt leider sehr schnell zu riechen. Deshalb läuft der Trend vermehrt wieder zu natürlichen Fasern, allerdings nicht zu Baumwolle, sondern Wolle. Feinste Merino-Wolle gibt auch in feuchtem Zustand schön warm und kratzt nicht, trocknet allerdings auch etwas langsamer und ist voluminöser und teurer als Kunstfasern. Ein Unterhemd kostet ca. CHF 60.- / 80.-

Doch auch bei der Kunstfaserwäsche haben die Hersteller Verbesserungen zu bieten: Seit neustem mischen sie Silberionen direkt ins Garn. Die Silberionen sollen auch noch nach vielen Waschgängen Bakterien bekämpfen und die Unterwäsche vor dem Riechen bewahren.

Ausgeklügelte Socken

Wollsocken sind gut. Noch besser sind Socken aus einer Mischung von Wolle und Kunstfaser. Diese trocknen schnell und beugen damit Blasen vor. Ausserdem wärmt und polstert der Materialmix gut. Die neusten Trekkingsocken sorgen mit Temperatur regulierenden Fasern für ein angenehmes Fussklima und schützen mit unterschiedlichen Zonen vor Druckstellen und Blasen. Wer trotzdem häufig unter Blasen leidet, sollte es einmal mit einer dünnen Untersocke unter den Wandersocken versuchen.

 

Kopfbedeckung

Zusammenlegbare Schildmütze

Eigentlich würden Kopfbedeckungen mit einem breiten Schild den Nacken und die Ohren optimal vor der gleissenden Sonne schützen. Doch sind die Schattenspender bei Nichtgebrauch oft im Weg, denn in normalen Jackentaschen lassen sie sich wegen des sperrigen Schilds meistens nicht versorgen. Und aus den Tiefen des Rucksacks lassen sie sich nur schwer hervorklauben, wenn man sie braucht. Die clevere Lösung: Ein Schild aus Neopren, der so flexibel ist, dass sich die Mütze bequem auch am kleinsten Ort verstauen lässt und die immer sofort zur Hand ist.

 

 

Rucksack

Lassen Sie sich die Freude am Wandern nicht durch einen schlecht sitzenden Rucksack verderben. Es lohnt sich, nach jenem Modell zu suchen, das am besten zum Rücken passt.

Der richtige Rucksack

Einen prüfenden Blick auf die Figur zu werfen ist das Erste, was Sporthändler machen, wenn jemand einen Rucksack kaufen will. Sie wissen dann sofort, welche Modelle sie empfehlen können und welche nicht. Die passende Rückenlänge zu finden ist das Wichtigste beim Rucksack-Kauf. Sonst hängt der Rucksack voll bepackt plötzlich wie ein Kartoffelsack herunter oder drückt unangenehm ins Kreuz.

Frauen haben meistens einen kürzeren und schmaleren Rücken als Männer. Der Rucksack, der dem Vater oder dem Partner so bequem ist, muss also keineswegs auch die passende Wahl für die Tochter oder für die Partnerin sein.

Weich oder fest?

Während die Grösse des Rückenteils unbedingt auf die Trägerin oder den Träger abgestimmt sein muss, ist die Konstruktionsart eher Geschmacksache. Es gibt Wanderrucksäcke mit einem Innengestell aus Kunststoff oder Aluminium. Der Vorteil: Sie bleiben auch voll bepackt in Form. Ausserdem liegen sie meistens nicht direkt auf dem Rücken auf und lassen die Trägerin oder den Träger dadurch etwas weniger schnell ins Schwitzen kommen.

Rucksäcke mit einem weichen Rückenteil ohne Gestell sind leichter und können sehr bequem sein. Sie sind aber auch heikler zum Packen: Harte Gegenstände oder Ausbuchtungen sind am Rücken zu spüren.

Nie ganz wasserdicht

Wer sich einen absolut wasserdichten Rucksack wünscht, wird nicht fündig werden. Durch Nähte und Reissverschlüsse dringt nach langem oder intensivem Regen bei jedem Rucksack Wasser ein. Fast alle Produkte ertragen aber einen kurzen Regenguss, ohne dass der Inhalt gleich nass wird. Wenn Dauerregen droht, ist ein wasserdichter Überzug nützlich. Das Gepäck bleibt auch vor Nässe geschützt, wenn man es in Plastiksäckchen verpackt, bevor es im Rucksack verstaut wird. Nützlich ist auch ein Knirps-Regenschirm. Er schützt einen samt Rucksack vor Nässe. Und er kann erst noch als Sonnenschutz dienen.

Robust oder leicht?

Bei der Wahl des Rucksackmaterials gilt es abzuwägen: Leichte Materialien sind meistens weniger strapazierfähig. Scheuer- und reissfestere Stoffe sind hingegen in der Regel schwerer. Die leichtesten Rucksäcke sind aus unbeschichtetem Nylon genäht. Billigere Produkte sind oft auch aus dem weniger robusten Polyester hergestellt.

Der Nachteil dieser Leichtgewichte: Sie sind wasserdurchlässiger und gehen eher kaputt. Strapazierfähiger, aber auch schwerer sind Rucksäcke aus Cordura, einem beschichteten Nylonstoff.

Ab 100 Franken

Ein leichter Wanderrucksack ohne Finessen und raffinierte Täschchen ist ab 100 Franken zu haben. Wer Wert auf ausgeklügelte Verstau- und Befestigungsmöglichkeiten legt und einen gut ausgebauten Rückenteil schätzt, zahlt schnell einmal das Doppelte.

10 Tipps zum Rucksack-Kauf

10 Tipps zum Rucksack-Kauf

  1. Für eintägige Wanderungen sind Rucksäcke mit rund 30 Liter Inhalt geeignet.
  2. Der Rucksack muss zur Rückenlänge passen. Optimal sitzt der Rucksack, wenn das Ende gleich oberhalb des Gesässes aufliegt.
  3. Besonders für stark schwitzende Personen ist es wichtig, dass der Rückenteil gut belüftet ist. Es gibt verschiedene Konstruktionen mit Netzen und Schaumstoff, die für etwas Abstand zwischen Rücken und Rucksack sorgen.
  4. Die Rucksack-Träger dürfen nicht einschneiden und sollten in der Mitte der Schultern aufliegen. Sie sollten nicht den Hals berühren, aber auch nicht von den Schultern rutschen können. Die Träger dürfen die Armbewegungen nicht stören.
  5. Ein Wanderrucksack sollte zumindest einen Bauchriemen haben, damit er beim Gehen nicht hin- und herschwingt.
  6. Für schwerere Lasten ist sogar ein gepolsterter Hüftgürtel empfehlenswert. Damit lässt sich ein Teil der Last von den Schultern auf die Hüften verlagern.
  7. Einen Rucksack sollten Sie immer auch voll bepackt ausprobieren. Ist er nur mit Papier ausgestopft, machen sich unbequeme Stellen kaum bemerkbar.
  8. Testen Sie, ob die Schnallen zum Verstellen der Träger unter Belastung gut arretieren. Es ist ärgerlich, wenn sich die Träger während des Wanderns von selber verstellen.
  9. Wenn Sie oft mit Wanderstöcken oder einem Kamera-Stativ unterwegs sind: Wählen Sie einen Rucksack, der aussen geeignete Befestigungsriemen aufweist.
  10. Seitentaschen am Rucksack sind zwar praktisch. Prüfen Sie aber – besonders, wenn Sie eher schmal gebaut sind – ob die gefüllten Taschen nicht die Armbewegungen stören.

Was gehört in den Rucksack

Immer:

  • leichte Regenjacke
  • warmer Pulli
  • mindestens ein Liter Wasser oder ungesüsster Tee
  • Proviant
  • Sonnenschutzmittel für die Haut und die Lippen
  • Sonnenbrille
  • Sonnenmütze
  • Wanderkarte
  • Geld
  • Taschenmesser
  • Notfallapotheke (mit Pflaster, Desinfektionsmittel und Verbandmaterial)

 

Bei Bedarf:

  • Ersatzkleidung für Leute, die stark schwitzen
  • Feldstecher
  • Kompass
  • Sitzkissen
  • Handy
  • Wanderstöcke
  • Bahnfahrkarten
  • Fotoausrüstung
  • WC-Papier

 

 

Rucksack richtig packen

Wer seinen Rucksack für den Wanderausflug zweckmässig packt, schont Muskeln und Gelenke. Sind die Lasten auf dem Rücken ungünstig verteilt, kann es schnell einmal zu unangenehmen Verspannungen in den Schultern und im Nacken kommen.

Rucksack-Packen

Man trifft sie ab und zu beim Wandern und hat sofort Mitleid mit ihnen: Rucksackträger, die eine tonnenschwere Last auf dem Rücken zu transportieren scheinen. Sie laufen weit nach vorn gebeugt und mit schwerem Schritt. Andere wandern entspannt mit aufrechtem Oberkörper, als ob ihr Rucksack nur Luft enthielte – obwohl sie wahrscheinlich eine ähnliche Ausrüstung tragen. Das Geheimnis der unterschiedlichen Körperhaltung: Einerseits die Packweise und andererseits das Tragesystems des Rucksacks. Die Kunst des Rucksacktragens besteht darin, den Schwerpunkt des Rucksacks und des Trägers in der richtigen Lage zu vereinen. Wer die Lasten beim Packen ungünstig verteilt oder falsch hebt, riskiert, dass sich Schultern und Nacken verspannen und Rückenprobleme auftreten, warnen Sportmediziner und Orthopäden.

Alles am richtigen Ort

Leichte, grossvolumige Gegenstände, wie zum Beispiel der Regenschutz oder der warme Pulli, gehören zuunterst in den Rucksack. Schwerere Sachen wie die Getränkeflasche sollten dicht am Rücken und etwa auf Schulterhöhe verstaut werden. Platzieren Sie schwere Dinge jedoch so, dass sie nicht gegen den Rücken drücken. Achten Sie auch darauf, dass die schwereren Gegenstände nicht plötzlich verrutschen können und damit den Schwerpunkt verlagern. Dinge, die man während des Wanderns mehrmals ein- und auspackt – etwa Snacks oder die Wanderkarte - steckt man gleichmäßig verteilt in die Aussen- oder Deckeltaschen. Auch Geld und Fahrkarten gehören in die gut erreichbaren Aussentaschen.

Achtung: Wanderstöcke immer mit dem Spitz gegen unten am Rucksack befestigen!

Ordnung im Rucksack

Schon bei der eintägigen Familienwanderung kann es im Rucksack mit Picknick, Sonnencrème und Regenschutz drunter und drüber gehen. Um Ordnung zu behalten, verstaut man das Gepäck am besten in verschiedene Beutel. Vor allem ist es ratsam, den Proviant in einen wasserundurchlässigen Sack zu packen. So verhindert man butterverschmierte Ersatzkleider und Cola getränkte Regenjacken.

Rucksackgewicht

Wie viel Gepäck Sie sich zumuten können, hängt von der Statur, von der Kondition und von allfälligen körperlichen Vorbelastungen ab. Wer zum Beispiel bereits unter Muskelverspannungen leidet, sollte nicht mehr als vier Kilogramm tragen, raten Fachleute. Auch bei Kindern darf der Rucksack keinesfalls zu schwer sein. Bis sechsjährig sollen sie maximal ein Kilo, bis neunjährig maximal zwei Kilo auf dem Rücken tragen. Zwölfjährige dürfen bis zu vier Kilo schultern. 16-Jährigen darf man bis zu sieben Kilo zumuten. Vorsicht: Ungeübte Wanderer belasten beim Aufsetzen ihres Rucksacks häufig die vergleichsweise schwachen Rückenmuskeln und nicht die kräftigere Beinmuskulatur. Rückenschonender ist es, einen schwereren Rucksack vor dem Aufsetzen auf einem Tisch oder auf dem Oberschenkel abzustellen.

Anpassen

Die meisten Wanderrucksäcke haben heute ausgeklügelte Riemen- und Gurtsysteme, welche eine optimale Lastverteilung unterstützen – vorausgesetzt man stellt sie richtig ein. Wichtig: Die Riemen müssen jedes Mal, wenn der Rucksack neu beladen wird, auch wieder neu eingestellt werden. Lockern Sie zunächst sämtliche Riemen. Setzen Sie den Rucksack auf. Platzieren Sie den Hüftgürtel so, dass dessen Mitte auf dem Hüftknochen liegt. Ziehen Sie den Hüftgürtel an. Danach werden die Schultergurten angezogen, allerdings nicht zu fest, denn die Hauptlast soll auf dem Hüftgürtel und nicht auf den Schultern liegen. Hat der Hüftgürtel zusätzlich Stabilisierungsriemen, können diese nun auch angezogen werden. Zuletzt werden die Lageverstellriemen oben am Schultergurt angezogen. Damit erzielt man einen besseren Kontakt zum Rücken und mehr Stabilität in schwierigem Terrain. In leichtem Gelände und zum besseren Belüften des Rückens lockert man die Lageverstellriemen.

Ein Tipp: Wenn der Rucksack einmal gut sitzt, nehmen Sie ihn nicht bei jedem Stopp ab. Kleinigkeiten aus den Seitentaschen kann man sich auch von einer zweiten Person reichen lassen.

 

 

Wanderschuhe

Für eine gemütliche Wanderung der Aare entlang mögen ein paar feste Turnschuhe reichen. Sobald es aber bergauf, über Steine und Geröll geht, bieten nur stabile Wanderschuhe mit einer griffigen Sohle genug Sicherheit.

So passt der Schuh

  1. Probieren Sie neue Wanderschuhe am Nachmittag oder gegen Abend an. Sonst kaufen Sie eventuell zu kleine Schuhe. Normalerweise schwellen die Füsse im Lauf des Tages etwas an und brauchen mehr Platz.
  2. Ob Sie die richtige Schuhgrösse gewählt haben, können Sie folgendermassen kontrollieren: Rutschen Sie im offenen Schuh nach vorne, bis die Zehen anstossen. Nun sollte hinten an der Ferse eine Fingerbreite Platz bleiben.
  3. Nehmen Sie sich genug Zeit zum Anprobieren und Herumlaufen. Steigen Sie auch eine Treppe hinauf und hinunter. Nur so spüren Sie, wo der neue Schuh nach einer mehrstündigen Wanderung unter Umständen drücken könnte.
  4. Nehmen Sie zum Anprobieren jene Socken mit, die Sie dann auch beim Wandern anziehen werden.
  5. Die Ferse und der Mittelfuss sollten guten Halt im Schuh haben. Die Zehen brauchen etwas Bewegungsfreiheit.
  6. Die Zunge sollte weich gepolstert sein und nach dem Schnüren ohne Falten anliegen.

Weitere Schuhtipps

Besserer Halt mit Leder: Nach wie vor sind heute die meisten guten Wanderschuhe aus Leder. Stoffschuhe sind zwar leichter und einfacher in der Pflege, bieten aber auch weniger Halt. Wichtig für sichere Schritte ist auch die Fersenkappe des Schuhs. Der harte Fersenbereich kann zwar beim ersten Anprobieren etwas unbequem wirken, stützt aber die Ferse und beugt damit Misstritten vor.

Ein guter Wanderschuh lässt sich so schnüren, dass der Fuss überall Halt hat, aber nirgends eingeengt wird. Ein Tipp: Beim bergauf Laufen ist es angenehmer, die Schuhe nur leicht zu schnüren, damit die Füsse mehr Bewegungsfreiheit haben. Bergab sollte man sie dagegen kräftig binden. Sonst stossen die Zehen bei jedem Schritt vorne an.

Gegen nasse Füsse: Wanderschuhe sind in der Regel wasserabweisend behandelt. Damit sie das auch bleiben, sollten sie regelmässig mit einem Spray wieder neu imprägniert werden. Billige Schuhe haben oftmals viele Nähte, durch die Wasser eindringen kann. Schuhe mit einer Gore-Tex-Membran halten hingegen dicht und lassen die Füsse trotzdem atmen. Lederschuhe sollte man drei bis vier Mal pro Jahr wachsen. Fett greift das Leder an und darf nicht benutzt werden. Sind die Schuhe innen trotzdem nass geworden, stopft man sie zum Trocknen mit Zeitungspapier aus.

Rund um den Fuss

Die Auswahl an Wanderschuhen ist riesig. Die Frage, in welchem Gelände die Schuh getragen werden, hilft massgeblich, den passenden Wanderschuh zu finden. Bei Stadtwanderungen sorgen Schuhe mit tiefem Schaft und aus leichtem Material für genügend Luft und Leichtigkeit. Bei Wanderungen im Wiesen-, Wald- und Berggebiet ist dagegen der Unterschuh (Sohle und Sohlenaufbau) von grösster Bedeutung. Dieser gibt dem Fuss Halt. Hohe Schuhe sind entgegen häufig geäusserten Aussagen in erster Linie zum Schutz z.B. gegen Gestrüpp oder das Anschlagen an Steinbrocken, aber nur bedingt für den Halt in einem Schuh nützlich. Für Bergwanderungen durch steiniges Terrain und Geröllhalden sind dagegen grundsätzlich Wanderschuhe mit hohem Schaft geeignet.

Bei der neusten Generation von Wanderschuhen werden oftmals Cordura-Einsätze (eine Art Nylon) verwendet, um die Atmungsaktivität zu steigern. Dies ist gerade in den heissen Sommermonaten ein wichtiger Faktor. Bei Wanderungen z.B. durch nasse Wiesen oder bei Regenwetter sind Wanderschuhe mit Cordura-Einsatz ohne Membrane aber nach kurzer Zeit nass. Auch ein Spray verleiht dem Schuh nur gerade für etwa eine Stunde eine Wasser abweisende Schicht. Cordura in Verbindung mit einer Gore-Tex-Membrane hält die Füsse dagegen auch im nassen Gras und bei Regenwetter trocken. Die Membrane Gore-Tex garantiert vor allem eine hohe Wasserdichtigkeit.

Durch intensive Pflege mit Sportwachs wird auch ein Wanderschuh aus Leder wasserdicht. Der Lederschuh mit Gore-Tex-Membrane ist aber gegenüber einem reinen Lederschuh atmungsaktiver. Das synthetische Futter sorgt für den Wegtransport der Feuchtigkeit vom Fuss. Für mehrtägige Wandertouren sind Wanderschuhe mit Membrane empfehlenswert, da sie schneller trocknen und auch einer geringeren Pflege als reine Lederschuhe bedürfen.

Jeder Fuss ist unterschiedlich geformt. Das Testen der Passform von verschiedenen Schuhmarken und Ausführungen in der gleichen Klasse hilft bei der individuellen Auswahl des optimalen Wanderschuhs. Leute mit Einlagen sollten diese unbedingt bei der Auswahl des Wanderschuhs mitnehmen. Bei Unsicherheit betreffend die Schuhgrösse sollte die grössere Schuhnummer gewählt werden, da genügend Platz für den Vorderfuss und die Zehen bleibt. Den nötigen Halt erreicht man mit richtigem Schnüren. So kann beim Aufstieg der Schuh bis zur Klemmschnalle stark geschnürt und der Schaft etwas lockerer gebunden werden, das führt zu einer besseren Bewegungsfreiheit. Dagegen wird beim Abstieg für einen erhöhten Halt der obere Teil des Schuhs fester angezogen.

 

Sohlenqualität

Stürze beim Wandern laufen zum Glück meistens glimpflich ab: Eine Schürfung, allenfalls ein verstauchter Fuss sind die häufigsten Folgen. Doch besonders in den Bergen kann auch ein kleiner Ausrutscher fatale Folgen haben. Nicht umsonst raten die Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) und andere Sicherheitsfachleute immer wieder zu stabilen Schuhen mit Profilsohle. Allerdings ist nicht gleich für jede Wanderung ein Bergschuh nötig. Grundsätzlich gilt: Je schwieriger das Gelände, umso höher und fester sollte der Schuhschaft sein − und umso wichtiger ist ein Augenmerk auf die Sohle.

Die Laufsohle ist nämlich ein ganz wichtiger Teil des Schuhs und kann entscheidend sein für die Sicherheit. Haltbarkeit und Abriebfestigkeit einer Sohle sind eine Frage der Material-Mischung. Und diese ist oft geheim − wie das Coca-Cola-Rezept.

 

Wissenschaftlich untersucht

Einerseits zeigt die Praxis, welche Sohlen sich bewähren. Andererseits haben sich auch schon etliche Fachleute mit Sohlen auseinandergesetzt. Siegfried Derler hat an der EMPA St. Gallen in Zusammenarbeit mit der Bfu und der SUVA wissenschaftliche Untersuchungen zu Schuhsohlen ausgewertet. Daraus ergaben sich unter anderem folgende Erkenntnisse:

  1. Weiche Sohlen sind meistens rutschfester als harte Sohlen. Nur: Sie laufen sich auch viel schneller ab. Sohlen-Hersteller müssen also stets nach einem optimalen Kompromiss zwischen Rutschfestigkeit und Langlebigkeit suchen. Gummi liefert eine sehr gute Gleitfestigkeit.
  2. Grundsätzlich rutscht man mit steifen Sohlen eher aus als mit weichen. Doch Wanderschuhsohlen dürfen sich trotzdem nicht in alle Richtungen biegen lassen. Sonst geben sie dem Fuss keinen Halt mehr. Optimal sind Sohlen, die in Längsrichtung flexibel sind und dem Fuss das Abrollen ermöglichen, in Querrichtung aber starr sind und einen nicht abknicken lassen.
  3. Wichtig ist aber auch das Profil der Sohlen: Im Profil müssen Flüssigkeiten gut abfliessen können, und es sollten möglichst wenig Feststoffe, wie etwa Steinchen oder Erde, hängen bleiben können. Das heisst: Das Profil sollte keine abgeschlossenen Vertiefungen haben. Die Profilkanäle sollten seitlich offen sein.
  4. Der Absatz muss vorne eine Kante haben: Auch diese schützt vor dem Ausrutschen. Wichtig für den Tragkomfort ist, dass die Sohle optimal gedämpft ist: Nicht zu hart, damit die Füsse und Gelenke nicht zu schmerzen beginnen, aber auch nicht zu weich. Vor allem mit vollem Rucksack drückt man eine zu weiche Sohle nämlich schnell einmal durch und die Dämpfungswirkung ist dahin.
  5. Vorsicht mit Imprägniermitteln. Auch nach dem Kauf ist es wichtig, auf die Gleitfestigkeit der Sohle zu achten: Aufpassen sollte man mit Imprägnier- und anderen Schuhpflegemitteln. Gelangen Fett, Öl oder Lösungsmittel auf die Sohle, wird sie rutschig und bietet kaum noch besseren Halt als nackte Füsse.
  6. Abgelaufene Sohlen sollten rasch ersetzt werden − allerdings nur bei einem Schuhmacher, der tatsächlich geeignete Wanderschuh-Sohlen im Sortiment hat. Am besten erkundigt man sich vorher.

 

Marktführer

Zurzeit sind Vibram-Sohlen die unbestrittenen Marktführer bei Wanderschuhsohlen. Der italienische Bergsteiger Vitale Bramini erfand sie nach einer Bergtour mit tragischem Ausgang: Sechs seiner Kameraden erfroren, weil sie nur ganz dünnsohlige Kletterschuhe trugen. Die damals üblichen schweren Wanderschuhe mit genagelten Sohlen waren für richtige Klettertouren ungeeignet.

Wanderschuhpflege

Lederschuhe können mit Sportwachs (farblose Schuhwichse) gepflegt werden. Vom klassischen Schuhfett wird abgeraten. Dagegen werden Schuhe mit Membrane und/oder Cordura-Einsätzen mit einem Spray gepflegt. Eine kompetente Schuhmacherei verpasst gebrauchten Wanderschuhen neuen Glanz. Beispielsweise kann die abgetragene Sohle durch eine neue ersetzt werden.

Der Socken machts aus

Der früher so beliebte Wollensocken saugt die Feuchtigkeit auf, transportiert diese aber nicht an die nächste Schicht weiter. Trotz eines High-Tech-Schuhs gibts dann feuchte Füsse und Blasen. Dagegen gewährleistet ein Funktionssocken aus synthetischem Material den Wegtransport der Feuchtigkeit und die erhöhte Atmungsaktivität der Wanderschuhe. Die gepolsterten Fersen schützen zudem vor Blasenbildung. Ein guter Tipp: Frisch gewaschene Socken sollten vor einer langen Wanderung am Vortag eine Stunde getragen werden.